ÖG @ ÖKT – Das Ökumenische Gymnasium auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003
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[Grafik: Karikatur zur Ökumene]
Abendmahlsstreit im Ökumenischen Rat der Kirchen



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[Foto: Menschenmenge auf einem Kirchentag]
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Der erste Ökumenische Kirchentag endete vor 6437 Tagen am 1. Juni 2003. Seit dem Schlussgottesdienst vergingen 9.275.134 Minuten (das sind 154.586 Stunden).




Presse18. 1. 2021
Frieden mit dem Nächsten machen

Gott sei Dank ist das konfessionelle Gegeneinander der Christen in unserem Land weithin einem ökumenischen Aufeinander-zu gewichen. Vielfältige Früchte dieses Prozesses sind in Theologie und Pastoral inzwischen zu ernten. Viel guter Wille ist im ökumenischen Bestreben der Kirchen vorhanden. Guter Wille allein bürgt freilich noch nicht für eine richtige Praxis. Die Sachverhalte selbst, die dem Handeln zugrunde liegen, müssen richtig sein.

Guter Wille, verbunden mit dem Streben nach Wahrheit, ist die Basis für richtiges Tun. Leider kommt bei Pfarrern und Gläubigen (und Theologen) oft eine Psychologisierung von Kirchesein zur Geltung, die im Miteinander der Konfessionen vor allem die Beziehungsebene pflegt, die Sachebene hingegen dazu in Funktion setzt oder ganz ausblendet. Ökumene gelangt so auf die schiefe Ebene sentimentaler Schonhaltungen. Die Fragen "Was ist Kirche? Was ist Priesteramt? Was ist Eucharistie?" interessieren bald nicht mehr. Glaubenssubstanz wird dann leicht der Glaubenskommunikation geopfert. Kommunikation ohne Substanz aber ist belanglos. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Substanzverlust theologisch und praktisch oft einseitig von der katholischen Kirche auf die protestantischen Kirchen hin erfolgt.

Gerade die Praxis von Interzelebration beziehungsweise Interkommunion zeigt, wie guter Wille die Frage nach der Wahrheit ausblenden kann. Wird verschiedenes Amts- und Eucharistieverständnis in gemeinsamer Feier übergangen, ist das zumindest eine Form von Selbsttäuschung. Kirchliche Einheit in Liebe braucht neben gutem Willen Ehrlichkeit in Fragen der Wahrheit. Das Ringen um Wahrheit aber ist immer eine Zumutung. Es lebt bisweilen vom Streit und sucht sogar die Distanz. Wir sehen im Augenblick keine Möglichkeit zur Interzelebration beziehungsweise Interkommunion, außer wir würden uns gegen alle Einsicht gegenseitig etwas vormachen.

Das Neue Testament bietet keinen Anhaltspunkt dafür, die Feier eines interkonfessionellen Abendmahls zum jetzigen Zeitpunkt könne den Prozess der Vereinigung der Kirchen beschleunigen, ja gnadenhaft von oben her beenden. Im Gegenteil: In den Evangelien wie bei Paulus finden wir die einhellige Meinung, dass eine Versöhnung mit Gott ohne vorausgehende Versöhnung der Menschen untereinander nicht möglich ist. Wer Frieden mit Gott haben will, muss vorher Frieden mit seinen Nächsten in der Gemeinde schließen: Wer Abendmahl feiern will, muss zuvor die Kirchenspaltungen überwinden.

Bei Paulus lesen wir solches im 1. Korintherbrief 11. Er sagt hier nicht: "Feiert nur Abendmahl, dann wird alles gut." Erstaunlicherweise ist für ihn das Herrenmahl überhaupt kein Weg, die verlorene Einheit wiederherzustellen. Vielmehr reagiert er für den Fall, dass die Gemeinde bei Fortbestand von ernsten Differenzen Herrenmahl feiert, mit den härtesten Ausdrücken, die er je zur Geißelung menschlichen Fehlverhaltens gefunden hat: Wer mit dem einheitlichen Mahl die bestehenden Unterschiede übertünchen möchte, der "isst und trinkt sich das Gericht". Denn nach 1. Kor 10,15-17 stellt die Gemeinde durch das Essen des einen Brotes ihren gemeinsamen Ursprung in dem einen Herrn dar. Der Vollzug des Sakraments ist nichts anderes als eine "inszenierte" Botschaft von der Einzigkeit Gottes und dem einen Herrn Jesus Christus.

In einer Welt der vielen Gottheiten und sozialer Entwurzelung vieler in der Hafenstadt Korinth liegt alles daran, dass diese Botschaft von dem einen Herrn für viele glaubwürdig ist. Nichts wäre also für die Verkündigung des einen Herrn gewonnen, wenn die Christen unter sich erkennbar zerstritten wären. Das Thema des gemeinsamen Herrenmahles ist daher nicht die Freude am Mahl oder die Vorwegnahme des Himmels. Nach Paulus ist das Thema des Mahls die Einheit der vielen. Begründet ist sie auch für ihn in der Taufe, verkündigt und damit vollendet wird sie in der Eucharistie. Wenn an dieser Stelle das Zeichen unglaubwürdig ist, scheitert die Verkündigung selbst.

Auch Jesus fordert wiederholt, dass die Menschen erst einander vergeben müssen, bevor Gott ihnen vergeben kann. Am deutlichsten ist das im Vaterunser und in Jesu darauf folgendem Kommentar (Matthäus 6,12, 14 f.). Überall aus der Verkündigung Jesu – nicht zuletzt aus dem Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht (Mt 18) – geht hervor, dass Versöhnung unter Menschen unabweislich Aufgabe der Menschen ist. Und Gott erlässt dann Schuld ihm gegenüber. Aber wo Menschen nicht ihre Aufgabe erledigen, hat das Sichberufen auf Gottes Vergebung katastrophale Folgen. Denn das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht endet ähnlich schrecklich wie die übertünchte Einheit im Mahl in Korinth, nämlich mit Heulen und Zähneknirschen.

Es darf der Hinweis auf Gottes Vergebung oder die sakramentale Einheit der Gemeinde nicht zum Ruhekissen für den Menschen werden, der daraufhin dann den Unfrieden unter Menschen fortbestehen lässt. Genau diese Gefahr besteht auch beim vorzeitig inszenierten Abendmahl unter uneinigen Christen. Das Abendmahl würde zum Ruhekissen für alle, die kein Interesse daran haben, das durch die Spaltung der Kirchen vielerorts und immer wieder bewirkte Unrecht zu beseitigen.

Bei manchen Reformatoren, auch bei Luther, taucht bisweilen die Meinung auf, das Abendmahl sei ein Mittel zur Verkündigung, und zwar zur Buße. Doch die Reformatoren sind hier in der Gefahr, den Unterschied zwischen den missionarischen Mahlzeiten Jesu mit Zöllnern und Sündern einerseits und dem letzten Abendmahl mit den zwölf Aposteln andererseits zu verwischen. Denn nur das letzte Mahl enthält Deuteworte und Wiederholungsbefehl, nur hier ist ausdrücklich von den Zwölfen und vom Bund die Rede. Das letzte Mahl ist Stiftung eines Sakraments, die missionarischen Mahlzeiten Jesu sind Vorbereitungen zum letzten Mahl, so wie alle ökumenischen Formen der Zusammenarbeit Vorbereitungen auf eine zukünftige Mahlgemeinschaft sind. Jeder kann die missionarischen Mahlzeiten Jesu mit offenem Teilnehmerkreis fortsetzen. Nur darf er das nicht Abendmahl nennen. Im Abendmahl geht es um den ganzen Ernst der Begegnung mit dem Gott der Bibel.

Nun wurde es erst im Gefolge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Eucharistiefeier fast selbstverständlich, die Kommunion sakramental zu empfangen. In jeder Gemeinde war der Unterschied zwischen ausschließlich geistlicher und zusätzlich sakramentaler Kommunion bewusst. Diese Unterscheidung ist jüngeren Katholiken kaum mehr bekannt – was an sich kein Grund zur Sorge ist, weil die Kommunikation des einzelnen Gläubigen mit Christus innerhalb einer Eucharistiefeier nicht nur geistlich, sondern auch sakramental erfolgen sollte. Deshalb ist aber die Frage nicht überflüssig, worin denn das "Plus" der sakramentalen gegenüber der ausschließlich geistlichen Kommunion besteht.

Wenn ein gläubiger Protestant an einer katholischen Eucharistiefeier teilnimmt, indem er während aller Teile dieser Liturgie geistlich mit Christus kommuniziert, kann die Verbindung dieses Gläubigen mit Christus intensiver sein als die sakramentale Kommunion der an demselben Gottesdienst beteiligten Katholiken. Der Grad der Gemeinschaft mit Christus hängt also nicht ab von der Sakramentalität der Kommunikation. Das "Plus" der sakramentalen gegenüber der ausschließlich geistlichen Kommunion lässt sich nicht mit einem höheren Intensitätsgrad der Kommunikation mit Christus erklären. Im Gegenteil: Ein Gläubiger, der einen ganzen Gottesdienst lang persönlich mit Christus kommuniziert, aber nicht "zur Kommunion geht", hat wahrscheinlich intensiver mit Christus kommuniziert als die Mehrzahl der Empfänger des Sakramentes der Eucharistie.

Dennoch gibt es ein "Plus" der sakramentalen gegenüber der ausschließlich geistlichen Kommunikation mit Christus, weil der Empfänger eines Sakramentes sich nach katholischem Verständnis öffentlich mit der Kirche identifiziert, die sichtbar geeint ist in dem die Einheit der Apostelnachfolger (Bischöfe) repräsentierenden Papst. Wer in einer katholischen Eucharistiefeier nicht nur geistlich, sondern auch sakramental kommuniziert, anerkennt damit öffentlich die apostolische Autorität des Papstes und des Ortsbischofs.

Wer ein Sakrament empfängt, ist nach katholischem Verständnis bereit, Mittel und Werkzeug seiner Kirche zu sein. Wer die Taufe empfängt, wird nicht nur persönlich mit Christus verbunden, sondern zugleich berufen, sein sichtbares Mittel und Werkzeug – also "Kirche" – zu sein. Dasselbe gilt in noch deutlicherer Weise von der Firmung, der Priesterweihe und dem Ehesakrament, ebenso vom Bußsakrament und von dem am gründlichsten privatisierten Sakrament der Krankensalbung.

Weil die Kirche das Realsymbol der in Christus geeinten Menschheit ist, wird sie durch nichts unglaubwürdiger als durch die Spaltung der Christenheit. Die großen Trennlinien sind im geschichtlichen Rückblick gewiss auch eine Folge politischer Gegebenheiten. Doch am Anfang jeder Spaltung steht nicht die Politik, sondern die Schuld der vielen Einzelnen. Das Zerbrechen der Einheit beginnt nicht mit den Exkommunikationsbullen, sondern da, wo der Einzelne seinen Glauben zur Privatsache erklärt und nicht mehr als Sakrament (als Mittel und Werkzeug) für die anderen lebt. Wir sind nicht da am weitesten von der Einheit der getrennten Konfessionen entfernt, wo über Differenzen gestritten wird. Wo Katholiken und Protestanten um die Wahrheit ringen, da sind sie sich ganz nahe.

Wo aber immer mehr Christen ihren Glauben verstecken oder privatisieren, da wird die Einheit zerstört. Weil jeder, dem sein Glaube "lebenswichtig" ist, diesen auch mitteilen möchte, darf man getrost vermuten: Würde jeder Christ jeden Sonntag in je seiner Kirche nicht nur geistlich, sondern auch sakramental kommunizieren, wäre die sichtbare Einheit längst erreicht. Nur wer jeden Sonntag – und nicht nur auf ökumenischen Kirchentagen! – Hunger und Durst nach der Eucharistie oder dem Abendmahl verspürt, kann glaubhaft versichern, er leide an der noch nicht vollendeten Interkommunion.

Prof. Klaus Berger lehrt Neues Testament an der Universität Heidelberg; Prof. Karl-Heinz Menke ist Dogmatiker an der Universität Bonn, und Prof. Hubert Windisch lehrt Pastoraltheologie an der Universität Freiburg.

Autor: Klaus Berger, Karl-Heinz Menke und Hubert Windisch
Quelle: Rheinischer Merkur
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[Foto: Karl Kardinal Lehmann]
Kardinal Lehmann feierte am 1. Juni vor dem Reichstag den Schlussgottesdienst.


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[Grafik: Sondermarke des Ökumenischen Kirchentages]
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[Foto: Programmheft des Ökumenischen Kirchentages]
720 Seiten umfasste allein das Programm des ÖKT. Lesen kannst du es auf der Webseite des Ökumenischen Kirchen- tages.



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Insgesamt fuhren 25 Lernende oder Lehrende des ÖG nach Berlin. Davon sind 20 Schülerinnen, drei Schüler und zwei Lehrer.
Eine Liste mit allen Kirchentagsfahrern des ÖG findest du in der Rubrik „Die Gruppe“.


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Jesus Christus: Fürchte dich nicht, glaube nur!
Markus 5, 36


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